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Der Geruch - oder wonach rieche ich eigentlich?

Was habe ich mich auf diesen Tag gefreut, an dem ich über dieses Thema schreiben möchte.
 
Auslöser war am gestrigen Sonntag, das ich mich wieder einmal wunderte, das meine (lacht nicht!) Unterhosen so parfümiert riechen. Ihr müßt dazu wissen, meine Frau benutzt schon seit längerem ein Waschmittel namens "Sensit*ve" von Pers*l und läßt den Weichspüler weg. Ich griff mir also die grad neu gekaufte Packung und siehe da, in leuchtenden Buchstaben stand darauf geschrieben:
 
MIT NEUEM FRISCHEN DUFT
 
ÄCHZ, nein das stand da nicht, das seufzte ich, denn nun wußte ich, was da geschehen war. Die Produktberater hatten entschieden, es darf kein Waschmittel geben, das nicht parfümiert ist. Also wurde eine Testreihe gemacht, die beweist, das die enthaltenen Düfte getestet und damit gut sind. (SOIFZ)
 
Was tue ich denn nun, ich will doch gar nicht nach diesem neuen frischen Duft riechen. Auch nicht nach Limone (aus der Klospülung) oder nach der Exotik des Haarsprays meiner Frau (wenn ich nach ihr ins Bad gehe). Wo hat dies denn ein Ende? Haare mit Parfüm, Seife mit Parfüm, Creme mit Parfüm, Deo, Rasierwasser, Duschgel, Kerzen, Klopapier, Frischebox, Wäsche, Einlegesohlen, Raumspray und so weiter, selbst in Nahrungsmitteln finden sich viele Duftstoffe wieder. Warum und wozu das ganze?
 
Mir wurde vor einiger Zeit klar, das ich diesen Mix an echten und unechten Gerüchen nicht will. Nicht an mir und nicht um mich herum. Nicht nur, weil ich auf manche Gerüchte unangenehm reagiere, nein, ich will das alles nicht! Die Initialzündung brachte im Übrigen eine liebe Freundin des Herzens, an jenem Tage so unendlich eingenebelt, das mir die Luft wegblieb. Als ich sie drauf ansprach, meinte sie, och, ich rieche das schon gar nicht mehr... HUCH???

Sie riecht es gar nicht mehr. Aha dachte ich, also nimmt sie immer mehr, damit sie überhaupt noch riecht, das sie ein Parfüm aufgelegt hat. Viel hilft viel, dies erklärt auch die etwa 10 Meter lange klebrige Spur, die manche Männer an Rasierwasser hinter sich her ziehen. Die Zeiten des Irish Moos, wo ein Tropfen links und rechts an der Wange reichten, sind lange vorbei. Es riecht so intensiv, als würden die Menschen darin baden. Und nehmen immer mehr, damit wir selbst noch riechen, das wir gut riechen. Hmmm..... Wir nebeln uns so zu, das wir gar nichts mehr riechen?
 
Ich wurde neugierig, wie rieche ich eigentlich? Wie riecht ein Mensch, so ohne alles?
 
Nein, ich meine nicht den Schweiß oder andere Körperflüssigkeiten. Ich meinte meinen eigenen Geruch. Nachdem ich alles wegließ, aber auch wirklich alles (dazu gehören auch alle Nahrungsmittel, deren Abbaustoffe über die Haut ausgeschieden werden, wie Knoblauch, Kaffee, Alkohol, etc.) war er dann endlich da!
 
Mein eigener Geruch! Herzlich willkommen, ab sofort darfst du bei mir bleiben.
 
Ich habe mir dafür angewöhnt, mich unter den Achseln zu rasieren, damit die dort sonst in den Haaren lebenden Organismen keine Nahrung finden und damit auch kein Schweißgeruch entsteht. Ich habe mir angewöhnt, mich mit Wasser und Wasser zu waschen, eine Wascherde zu nehmen oder eine selbstgemachte Seife...

Damit roch ich endlich so wie ich BIN.

Einige Monate später geschah etwas wunderschönes. Ich begegnete einer Frau, die nicht parfümiert war und ich roch auf einmal wie sie riecht. So eine Mischung aus sauberer Wäsche, die an der Luft getrocknet ist und ihrem eigenen Geruch. Das riecht für mich schöner als jedes Parfüm, ehrlich!

Warum ich dies alles schreibe, möchte ich noch kurz erwähnen. Ich liebe es, natürlich zu sein. Mich nicht zu verstellen, so zu sein, wie ich bin. Und dazu gehört für mich, so zu riechen, wie ich bin.
 
Euer Elias