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Vertraue mir (selbst)

Donnerstags fahre ich gewöhnlich zu meinem Pferd. Meist abends, nach Feierabend, um 17 Uhr. Ich hatte eine gute halbe Stunde Weg dahin und saß nach dem Putzen meist so gegen 18 Uhr auf. Eigentlich weiche ich von dieser Regel nur ab, wenn es regnet, ich zuviel zu tun habe, etwas anderes wichtig ist, ich nicht rechtzeitig loskomme, ich noch einkaufen muss, also eigentlich fast immer.

Diese Geschichte beginnt an einem Donnerstag Nachmittag im Herbst. Draußen trieb der Herbstwind dicke Wolken am Himmel vor sich her und es regnete und regnete und regnete. Ich hatte eine anspruchsvolle Aufgabe für einen Kunden zu programmieren und arbeitete sehr konzentriert. Seit dem Mittag schaute ich immer wieder hinaus, betrachtete das Trauerspiel ein Weilchen und arbeitete weiter. Nach einem Telefonat drehte ich mich wieder einmal und schaute von meinem Schreibtisch aus dem Fenster und „bestellte“ mir für den Abend, das es dann aufhörte zu regnen. In Gedanken ging ich im Trockenen zu meinem Pferd, sattelte es und ritt los. Ein schöner Gedanke, dachte ich, und ich schickte ihn ab und vergaß ihn gleich wieder.

Der Nachmittag verging in Arbeit und als es 17 Uhr wurde, regnete es immer noch. Immer noch trieb der Wind dicke Wolken vor sich her und kein Ende war abzusehen.. Ich drückte mir die Nase an der Scheibe platt und verwarf den Gedanken, mich jetzt umzuziehen und loszufahren wieder. „Warte bis es aufhört zu regnen“ flüsterte mein innerer Schweinehund und „Du hast eh noch so viel zu tun“ gleich hinterher, nur so zur Sicherheit. Ich folgte brav und blieb im Büro.
 
Eine halbe Stunde später sah ich wieder aus dem Fenster „Jetzt wäre ich da“ dachte ich. „Und du würdest Dir einen nassen Hintern holen“ flüsterte mein Schweinehund. Und ich arbeitete weiter. Um viertel vor 18 Uhr dachte ich, jetzt würde ich ihn putzen „Den Dreck ins Fell reiben“ sprach mein Schweinehund und als es geben 18 Uhr aufhörte zu regnen, stand ich immer noch am Fenster. Erst um halb Sieben konnte ich mich durchringen, raus zu gehen und natürlich war es da zu spät noch zum Pferd zu fahren.

Ich ging noch eine Viertelstunde spazieren bevor ich heim fuhr und dies natürlich im Trockenen. Erst zwei Tage später, als ich wirklich zu meinem Pferd auf den Reiterhof kam, erfuhr ich, das es am Donnerstag Abend genau um 18 Uhr dort aufgehört hatte zu regnen und den ganzen Abend trocken blieb. Hätte ich auf meine eigene Bestellung vertraut, hätte ich wunderbar im trockenen reiten können...