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In Erinnerung an einen guten Freund

Merlin

Merlin
 
Es war an einem Morgen, ich war auf dem Weg, einen guten Freund zu besuchen.
als ich das warme Auto verließ, schlug mir ein frostiger Hauch ins Gesicht,
gleichzeitig küßte eine strahlende Morgensonne meine Wangen.
 
Ich drückte den Hut fester und schlug den Kragen meiner Lederjacke hoch.
Mein Atem dampfte, als ich mich auf den Weg machte.
 
Als ich nach ein paar Schritten zurücksah, war der Wagen bereits in einem
Nebelschwaden verschwunden.
 
Alles war naß, glänzte, glitzerte und funkelte im Sonnenlicht,
dann wieder inmitten der nebligen Schwaden, die aber kaum mehr als mannshoch
waren.
 
Ich ging weiter, kein Laut war zu hören, nur meine eigenen Schritte im Gras.
Wieder eine Lücke im Nebel, ein Stück Zaun wurde sichtbar und verschwand
wieder.
 
Langsam wurde mir warm, ich lockerte das Halstuch, blieb stehen und lauschte.
Dunkle Flecken tauchten vor mir im Nebel auf, spitze Ohren....
Ein Schnauben der Nüstern, ich war erkannt...
 
Aus dem Nebel taucht ein Tor auf, dahinter ein weißes Nichts und in
anderthalb Metern Höhe...
 
Ein Pferdekopf, die Ohren aufmerksam gespitzt.
 
Ein paar Schritte zum Tor, hinein auf die Weide...
Freunde besuchen...
 
Aladin, der einen Meter und achtzig große Westfale, unser Reitelefant.
Gibsy, der rabenschwarze Wallach mit Zigeunerblut.
Sarah, die immer ein bischen wie eine gute, pausbäckige Großmutter
aussieht.
Gauner, der sich lansam anschleicht, ob er mir nicht doch einen Apfel klauen
kann.
Nadua, die gefleckte Quarterdame, die von Ihren Artgenossen zunächst für eine
Kuh gehalten und gejagt wurde,
und all die anderen tauchten nacheinander aus dem Nebel auf und verschwanden
wieder...
 
Sie alle erkannten und begrüßten mich, bedankten sich für den lieben
Besuch am Morgen....
 
Doch einer fehlte...
 
Ich ging inmitten der Herde, der grasenden Pferde.
Behütet, beschützt, bewacht.
Eine Nase von Pferdeduft inmitten von Freunden.
 
Traurig ging ich zum Tor zurück und setzte mich mit dem Rücken zur Weide
darauf....
Ich ließ die Sonne über mich gleiten und träumte.....
als ein leises Schnauben hinter mir seine Ankunft ankündigte....
Sein warmer Atem streifte mich...
als er seinen Kopf direkt neben mir über das Tor hielt..
Und mit mir in die sonnige, nebelwabernde grünglitzernde Welt sah....
Ich drehte mich um und begrüßte meinen Merlin
und er
er legte seinen Kopf auf meine Schulter und schnaufte ein wenig als wollte er
sagen...
 
schön dass Du da bist.
 

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Merlin war ein Haflinger Wallach, den ich Mitte der 90er Jahre viele Male reiten durfte und sehr lieb gewann.
Leider geht jedes irdische Leben einmal zu Ende und so galoppiert auch Merlin seit einiger Zeit durch die Wolken.
 
Elias