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Darf ich eigentlich auch zornig sein als bewußter Mensch?

Ihr Lieben,
 
müssen Heilige, spirituelle Menschen eigentlich immer liebend, milde, ausgleichen sein? Immer die reine Güte selbst? Mit dieser Frage möchte ich diesen Text über den Zorn beginnen …
 
Ich hatte meine Lektion schnell gelernt. Wenn ich lieb war, dann stand mir alles offen. Wenn nicht, dann nicht. Dieses Gedankenmuster erwarb ich mir bereits in der Kindheit. Viele verschiedene Erfahrungen kamen dazu und sorgten sehr gründlich dafür, dass ich Gewalt in jeder Form strich. Und damit meine ich jetzt nicht nur körperliche Gewalt, sondern auch die, welche wir in Worten und Taten wieder finden. Ich suchte immer den Weg des geringsten Widerstandes und wurde niemals laut.
 
Als ich meinen Weg zu mir selbst begann, lernte ich, dass alles was zählt, die Liebe ist. Sie ist das einzig wahre Gefühl. Alles was aus der echten Liebe geboren wird, ist richtig und gut, hat Kraft, vermag Berge zu versetzen. Ich strebte nach Liebe, im Innen wie im Außen und strich mehr als jemals zuvor jedes laute Wort. Für mich war klar, je mehr ich mich der Liebe öffne, um so mehr müsste ich die Liebe ins Außen geben. Und dies auch dann, wenn man mir auf irgendeine Art ans Leder will, mich übervorteilen, betrügen, was auch immer. Wenn Dir einer auf die linke Wange schlägt, dann halte ihm auch die rechte Wange hin. Ich denke, diese Zeile kennen wir alle.
 
Bei Menschen ging dies einigermaßen gut. Jedoch brachte ich in Streitgesprächen meinen Gegenüber stets zur Weißglut durch meine liebende Gleichgültigkeit und gleichgültige Sachlichkeit. Doch bei Tieren sah es ganz anders aus. Mein Pferd beantwortete diese stetige liebende Milde damit, das er mir auf der Nase tanzte. Und dies umso mehr, je milder und liebevoller ich mit ihm umging. Und ihn irgendwann verkaufen musste, weil ich nicht mehr in der Lage war, ihn mit all meiner Liebe zu reiten. Für Pferdemenschen sei gesagt, mein Pferd war damals 7, ein spät gelegter Wallach, der schlicht eine konsequente Hand gebraucht hätte. Doch diese Seite gab es nicht mehr an mir.
 
Im Dezember 2008 geschah dann die Wandlung. Ich sah eine Verfilmung des Johannes-Evangeliums. Im Übrigen ein sehr sehenswerter Film. Und ich sah die Szene, wie Jesus die Händler aus dem Tempel Gottes warf. Und ich sah einen zornigen Jesus, zornig über die Entweihung des Hauses seines Vaters.
 
Dies arbeitete einige Tage in mir bis ich verstand:
 
Wie bei der Liebe gibt es auch hier einen echten (gerechten) Zorn und einen ungerechten Zorn.
 
Kein Heiliger muss immer leise Worte sprechen.
 
Selbst Jesus war auch einmal zornig.
 
Ich darf also zornig sein, es gehört zum Menschsein dazu, gehört dazu, um sich zu wehren gegen das Unrecht. Und ich darf zornig sein, wenn ich dabei gerecht bleibe. Und ich darf sogar in Liebe zornig sein, um mich gegen ein Unrecht zu wehren oder meinen Gegenüber, der es allzu garstig treibt, in die Schranken zu weisen.
 
Und damit gewann ich ein Stück von mir zurück, was ich vor langer Zeit verloren hatte. Es dauerte noch einmal über einen Monat, bis es sich soweit wieder manifestiert hatte, das ich fühlte, dass ich an dieser Stelle wieder vollständiger bin.
 
An’anasha
(Dankbarkeit)
 
Elias
 
Nachtrag vom 22.09.2009:
 
Ihr Lieben,
 
heute bin ich zum ersten Mal in meinem Leben mit meinem neuen Pferd Stormy ausgeritten und hatte dabei ein zweites Pferd an der Hand am Seil dabei. Geritten bin ich mit meinem neuen Pferd schon oft, doch zunächst nie allein und schon gar nicht mit zwei Pferden allein. So lange, mehr als ein halbes Jahr dauerte es, bis ich wieder soweit in meiner Kraft ankam um zwei Pferde aus dem Sattel zu führen. Dies wäre noch vor einem Jahr unmöglich gewesen. Ich freue mich und möchte Dich nur bestärken damit, gestatte Dir, heil(ig) zu werden, vollständig und ganz. Es lohnt sich!