Märchen - Das einsame Mädchen
aufgenommen am 10.10.2006 (129 Aufrufe)
Vor langer Zeit lebte einmal ein Mann und eine Frau tief im Wald in einem kleinen Haus. Sie liebten sich sehr und hatten eine Tochter. Die Tochter war ihr ganzer Stolz und obwohl sie so tief im Wald lebten, lehrte die Mutter das Mädchen alles was sie selbst wußte. Und die Tochter versprach, alles so zu tun, wie es die Mutter sie gelehrt hatte.
Vater und Mutter starben früh und so blieb das Mädchen allein im Wald zurück. Sie wollte nicht allein sein und so ging sie los, um andere Menschen zu suchen. Sie verirrte sich, fand keine anderen Menschen, aber auch ihr Haus nicht wieder. Da setzte sie sich auf eine Lichtung und weinte bitterlich.
Und so lebte es fortan allein, schlief unter einer Tanne, aß die Früchte des Waldes und trank aus dem Bach, wenn es durstig war. Nur die Tiere des Waldes waren Ihre Gefährten.
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Eines Tages kam ein Hirsch zu ihr und sprach „Einsames Mädchen, ich habe Mitleid mit Dir. Ich weiß, wo ein dickes Bärenfell liegt. Es ist viel weicher, als das Moos unter der Tanne, komm spring auf, ich bringe Dich hin.“ Doch das Mädchen sprach: „Lieber Hirsch, ich danke Dir, aber meine Mutter hat mich gelehrt, das Menschen auf Stroh schlafen. Kannst du mir vielleicht sagen, wo ich Stroh finden kann?“ Doch der Hirsch kannte leider keinen Ort, an dem Stroh war und zog traurig weiter. Eine Weile verging. Da hoppelte ein Hase dem Mädchen direkt vor die Füße und sprach „Einsames Mädchen, ich habe Mitleid mit Dir. Ich weiß, wo Wolle liegt, daraus kannst du Dir neue Kleider machen. Komm, gib mir Deine Hand, ich bringe Dich hin.“ Doch das Mädchen sprach „Lieber Hase, ich danke Dir. Doch meine Mutter hat mich gelehrt, das ich Wolle erst spinnen muß um daraus Kleider zu machen. Weißt Du vielleicht, wo eine Spindel ist?“ Doch der Hase wußte keinen Rat und zog weiter. Die Zeit ging ins Land, es wurde Herbst und kalte Nebel zogen durch den Wald. Ein Fuchs kam vorbei, sah das Mädchen und sprach „Einsames Mädchen, ich habe Mitleid mit Dir. Ich weiß, wo die Menschen wohnen, komm, folge mir und ich bringe Dich hin.“ Doch das Mädchen sprach „Lieber Fuchs, ich danke Dir. Doch meine Mutter hat mich gelehrt, das Füchse listig sind und nie die Wahrheit sagen. Wie könnte ich Dir folgen? Du führst mich bestimmt in die Irre“ Und der Fuchs zog traurig weiter.
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In der folgenden Nacht hatte das Mädchen einen Traum. Sie sah eine alte Frau, die im Wald lebt, ganz gebeugt von der Last, die sie all die Jahre getragen hat. Tiefe Falten waren in ihrem Gesicht und sie konnte fast nichts mehr sehen. Erschrocken wachte das Mädchen auf.
Am nächsten Tag stand auf einmal ein junger Mann vor ihr. Er verliebte sich auf der Stelle in das Mädchen und sprach „Einsames Mädchen, Du mußt nicht mehr im Wald leben, komm mit mir, werde meine Frau, ich will Dir ein guter Mann sein“. Das Mädchen gedachte der Lehren der Mutter, das gute Männer immer einen Hund und einen Falken haben. Dieser Mann da vor ihr hatte nichts davon. Doch sie dachte an den Traum, besann sich, faßte Mut und nahm den jungen Mann an der Hand. Und dieser führte sie endlich aus dem Wald heraus zu einem schönen kleinen Haus. Dort lebten die beiden glücklich und zufrieden viele Jahre.