Die Pflicht zu leben
Gedanken zum Freitod eines hannoverschen älteren Ehepaares
aufgenommen am 30.12.2007 (126 Aufrufe)
Vor einigen Wochen las ich in der Zeitung von einem älteren Ehepaar. Die beiden wurden tot aufgefunden
in ihrem gemeinsamen Heim. Der Mann hatte die Frau getötet und dann sich selbst. Beide hatten ent-
schieden, nicht in ein Pflegeheim zu gehen, sondern ihrem Leben in ihrer gewohnten Umgebung ein Ende
zu bereiten.
Diese Begebenheit berührte mich sehr und ich möchte meine Gedanken dazu heute, am Abend vor dem
Sylvestertag 2007 aufschreiben. Ich habe im Moment einen recht betagten Vater mit 82 Sommern, eine
durchaus jüngere, doch durch vielerlei Last durchaus ähnlich betagte Mutter. Ich weiß, das beide nicht
ins Altersheim möchten. Doch würden sie sich entscheiden, einfach nicht weiterzuleben, so gäbe es nie-
manden, der ihnen helfen darf. Ihnen bleibt keine Wahl. Wenn das Leben sie am Leben läßt, doch ihnen
die Fähigkeit, sich selbst zu versorgen immer mehr nimmt, müssen sie sich irgendwann versorgen lassen.
Und dies mit allen dazu gehörenden Auswirkungen, von der Aufgabe seines Heimes, der vertrauten Welt
bis hin zur finanziellen Last, welche nach Möglichkeit den Angehörigen aufgebürdet wird.
Es ist eine Zwickmühle, in der unsere Senioren da stecken. Mit den Krankheiten wird das Leben immer
teurer oder weniger lebenswert. Also versuchen sie so lange wie möglich durchzuhalten ohne jemandem
zur Last zu fallen. Und wenn dies nicht mehr möglich ist, beginnt ein Ablauf, der in unserem Land schein-
bar unverrückbar festgeschrieben ist bis hin zum Tod.
In Natürvölkern blieben die Alten einfach zurück, gingen in die Berge, trafen die Entscheidung selbst,
über ihr Leben. Dies ist in unserer zivilisierten Welt nicht so einfach möglich. Warum ist unsere so weit
entwickelte Welt scheinbar nicht menschlich?
Es gibt in Deutschland seit einiger Zeit eine Organisation namens Dignitas, die zumindest unter ganz
bestimmten Voraussetzungen in der Lage ist, Sterbehilfe zu leisten. Immerhin, doch vollständig und
grundsätzlich in Frage gestellt in unserem Land. Und auch bei allem Für- und Wieder, ich wünsche mir
heute eine zukünftige Welt, in der ich selbst über mein Leben entscheiden kann. Auch dann, wenn ich
nicht mehr in der Lage bin, es selbst auszuführen.
Und wenn es einmal so weit kommen sollte, wünsche ich mir eine Partnerin an meiner Seite, welche
die Liebe in sich trägt, die es braucht, um mir meinen Wunsch zu erfüllen ohne sich an mich zu
klammern.
Ich wünsche euch einen friedvollen Jahreswechsel
Elias